Agile Arbeitsweise als Chance für das Mittelmanagement?

Agile Arbeitsweise als Chance für das Mittelmanagement?

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Agile Arbeitsweise als Chance für das Mittelmanagement?

Niels Pfläging liefert hierzu eine hervorragende Diskussionsgrundlage.

Niels Pfläging, Leadership Philosopher, Management Exorcist und Autor, hat mit „Organisation für Komplexität“ ein kompaktes und aufregendes Buch über Arbeit, Führung und Transformation im Zeitalter der Komplexität geschrieben. Er zeigt damit eindrucksvoll, wie sich herkömmliche, hierarchische Organisationsstrukturen klassischer, mittelständischer Unternehmen und Konzerne von denen in der Netzwelt beheimateten agilen Organisationen unterscheiden. Die Lektüre regt an, neue Strukturen und Führungsprinzipien zu entwickeln, die die Transformation aus der Hierarchie in die Agiliät ermöglichen.

Für kyona ist dies ein Grundsatzwerk. Daher bekommen in unseren Agile Transformation Projekten alle Mitglieder der Coreteams dieses Buch als Basisinformation überreicht.

Niels Pfläging verdeutlicht in „Organisation für Komplexität“, dass in einem immer komplexer werdenden Arbeitsumfeld hierarchische Strukturen nicht mehr funktionieren. Das Problem fokussiert sich beim macht-, prestige- und karriere-orientierten Management, welches sich als eine Art Informationsbroker für die eigentlich produktiven Mitarbeiter positioniert.

In der Agilen Organisationsstruktur hingegen stehen Führungskräfte nicht mehr hierarchisch über ihren Mitarbeitern. Sie sind in deren Teams integriert und leben das Modell des Servant Leadership (dienend Führen).

Aus unserer Erfahrung ist dieses neue Miteinander vor allem für das Mittelmanagement schwer anzunehmen.
Sie sehen es als Bedrohung ihrer Position und nicht als Möglichkeit. Es scheint für sie schwer vorstellbar, wie eine agile Organisation ohne Linien und Abteilungen auskommen soll.

Dies gilt es bei der Umsetzung agiler Organisationen zu berücksichtigen, denn die Widerstände des Mittelmanagements können eine agile Transformation nicht nur verlangsamen, sondern scheitern lassen. Dies wird häufig zum Hauptbremsschuh der Agilen Transformation, große Widerstände des Mittelmanagements bringen aussichtsreiche Initiativen zum Erlahmen, ja zum Scheitern.

Wichtig ist, dem Mittelmanagement zu verdeutlichen, welche unverzichtbare Aufgabe es mit der sogenannten Backbone-Funktion in einem agilen Umfeld leistet. Agile Teams können im größeren Maßstab ohne einen agilen Backbone nicht effizient arbeiten. Das Mittelmanagement bleibt somit ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses, lediglich die Arbeitsweise – Dienstleistung für Teams – ändert sich.

Funktionen des neuen agilen Backbones sind zum Beispiel: Synchronisation zwischen Teams und zentralen Funktionen sicherstellen, die Handlungsfähigkeit der agilen Teams absichern, Wissen und Wissensaufbau managen, durch strategischen Einkauf einen Rahmen für Teams bereitstellen etc.

Für das ehemals hierarchisch strukturierte Mittelmanagement bietet sich als Backbone eine interessante Perspektive, die eine attraktive Herausforderung in der neuen agilen Organisation darstellen kann.

Doch zunächst muss Agile Transformation auf der Topmanagementebene gewollt sein und von dieser eingefordert werden. Sie wird dann umgesetzt durch das Aufsetzen von Scrum- und Kanbanteams auf der Leistungsebene. Damit das Mittelmanagement nicht zum Agile-Killer wird, ist der Aufbau des agilen Backbones frühzeitig mit anzustoßen.

Das Buch von Niels Pfläging liefert hierzu eine hervorragende, verständliche Diskussionsgrundlage, die wir bisher in der SCRUM und SAFe Literatur so nicht finden.

Danke Dir Niels!