Der Sinn von Agilität ist Mitdenker aktivieren und EBIT maximieren

Der Sinn von Agilität ist Mitdenker aktivieren und EBIT maximieren

Der Begriff Agilität wird in den Diskussionen zunehmend mystifiziert. Teilaspekte werden herausgerissen und ohne Zusammenhang beleuchtet.
Wer Agilität als reines „Mindset-Thema“ darstellt, verkennt, um was es letztlich geht.

Agile is a mindset“ – ja das ist sicherlich richtig, aber nicht nur. Zumindest in der produzierenden Industrie gehört sehr viel Struktur dazu, um diesen agilen Mindset zum Leben zu erwecken und Unternehmenskulturen zu verändern. „Manager müssen Macht an Mitarbeiter abgeben“ – ups, das klingt ja schon fast sozialistisch… – Kein mittelständischer Unternehmer oder Geschäftsführer wird „die Macht an Mitarbeiter abgeben„. Dies ist sicherlich auch kein vorrangiges Ziel von Agilität. Wird hier ggf. Macht aus einer hierarchischen Position heraus mit Leadership – Wirkung durch Kompetenz in vernetzten Strukturen gleichgesetzt bzw. gar verwechselt? Das sind zwei Paar Schuhe…  Oder aber: „ein agiles Unternehmen hat einen Sinn (purpose), Geldverdienen ist ein Nebeneffekt“ – ach ja richtig, das ist sicherlich auch der Hauptgrund, warum Apple das iPhone X in Deutschland für 1.250 € verkauft und nicht für rund 450,– € anbietet – inkl. „frechem 50%-Margenaufschlag“ auf die (geschätzten) eigentlichen Herstellkosten…

Es gibt mittlerweile zig verschiedene Sichten auf Agilität aber etwas mystisches kann ich persönlich daran nicht erkennen. Unternehmen sind ein Zusammenschluss von Menschen, die gemeinsam Nutzen im Markt stiften. Sie tun dies durch den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen, mit denen ihr Unternehmen Umsatz erzielt. Aus diesem Geldmittelfluss wiederum werden Einsatzmaterialien bezahlt und die Einkommen der einzelnen Beteiligten generiert. Funktioniert dieses Prinzip nicht, funktioniert das Unternehmen nicht und verschwindet vom Markt – sofern es sich nicht um staatliche Unternehmen handelt versteht sich – auf lange Sicht gilt dieses Prinzip aber auch hier.

Agilität ist für mich nichts weiter als eine Evolutionsstufe der Zusammenarbeit, die es einer Organisation ermöglicht, viele Mitarbeiter zu aktivieren, mitzudenken und sich voll einzubringen um letztlich Gewinne zu maximieren. Ein gesundes, am Markt gut positioniertes Unternehmen, das Gewinne erwirtschaftet, kann nicht nur seine Mitarbeiter bezahlen sondern auch zukunftsorientiert in Innovationen investieren und Geldgeber befriedigen.

Auf der anderen Seite hat bekanntlicher Weise jeder Trend einen Gegentrend (vgl. Matthias Horx, Das Megatrend Prinzip). So scheint es in den Beiträgen in sozialen Medien aktuell auch hipp zu sein, der Agilisierungswelle bereits das Überschreiten des Zenits zu bescheinigen. Das halte ich für deutlich verfrüht.

Die Notwendigkeit, Zusammenarbeit einer evolutionären Entwicklung zu unterziehen, ergibt sich aus der Entwicklung unserer Märkte in Folge der Errungenschaften aus vier industriellen Revolutionen: Mechanisierung, Elektrifizierung, Digitalisierung und Vernetzung. Das Ergebnis bis heute sind schnelllebige Märkte mit immer mehr Möglichkeiten auf denen immer komplexeren Produkte gehandelt werden.

Die hierarchischen Strukturen unserer Unternehmen haben ihre Wurzeln im 19ten Jahrhundert. Wir arbeiten mit Top-Management, Mittel-Management und Mitarbeiterschaft nach Organisationsprinzipien, die etabliert wurden, als Landarbeiter in Massen in die Fabriken strömten und mit ihren bis dahin erlernten Fähigkeiten, hinter Pferden herzulaufen und den Acker umzupflügen, plötzlich an zu damaligen Zeiten relativ komplexen Fabrikarbeitsplätzen zurecht kommen mussten.

Das diese Strukturen im Laufe der doch recht dramatischen Entwicklung unserer Gesellschaft in Richtung Digitalisierung und Vernetzung irgendwann einer evolutionären Überarbeitung unterzogen werden, ist nicht nur naheliegend sondern zwingende Konsequenz in anpassungsfähigen Organisationen.

Naheliegend ist somit auch, dass auf diese Weise besser – weil agil – organisierte Unternehmen den entwicklungsresistenten Wettbewerbern irgendwann den Rang ablaufen. Deshalb kann Apple sein iPhone X so hochpreisig verkaufen. Und nur deshalb. Und deshalb ist die Mobiltelefonsparte von Nokia weg vom Fenster…

Die Entwicklung in Digitalisierung und Vernetzung ist nicht aufzuhalten. Auch wenn einige dies versuchen. Anfang des letzten Jahrhunderts hat es auch Bauern gegeben, die am Pferd festhielten statt sich einen Trecker zu beschaffen. Pflügt heute noch jemand mit dem Pferd?

Wer für die aktuellen und zukünftigen Märkte gerüstet sein will, kommt nicht umher, sich mit der Evolution der Zusammenarbeit zu beschäftigen. Und letzter Stand ist hier nun einmal Agilität. Für agile Organisationen werden die Herausforderungen der VUKA-Welt zur willkommenen Abwechselung. Digitalisierung und Vernetzung werden zur Chance statt zur Bedrohung.

Agile Mindset ist hier eine sehr wichtige Komponente. Keine Frage! Arbeit geht einfacher von der Hand, wenn wir einen Sinn darin sehen. Zum aktiven Mitdenker wird nicht, wer tief unten in einer Hierarchie nur tut, was ihm gesagt wird sondern wer ein Arbeitsumfeld vorfindet, das ihm erlaubt, sich voll einzubringen und sein Unternehmen im Wettbewerb nach vorn zu bringen. Dazu gilt es vor allem, in der Zusammenarbeit die technischen Errungenschaften der Digitalisierung & Vernetzung intensiv zu nutzen. Denn die schaffen in größeren, skalierten agilen Arbeitsumfeldern die zwingend erforderliche Transparenz und damit die Grundlage für Alignment und cross-funktionale Zusammenarbeit von vielen mitdenkenden Menschen.

Zum Autor:

Rainer Borg hat sich nach 10 Jahren Beratungs- und Aufbauarbeit in einer großen Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung sowie als Vorstand eines Startup ganz dem Thema Scaled Agile Collaboration in der Organisations- und Produktentwicklung verschrieben.

Mit fundierter Kompetenz bzgl. Scaled Agile Enterprise Architekturen dimensioniert er Agilität vom einzelnen Team bis hin zur gesamten Unternehmensgruppe.

Seine Passion ist, Unternehmen in ihrem Wandel zu begleiten, Strukturen zu initiieren, die es zum einen dem Management ermöglichen, Komplexität von Veränderungsinitiativen zu beherrschen und zu steuern, zum anderen den Mitarbeitern ermöglichen, sich einzubringen und das Unternehmen aktiv mitzugestalten. 

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Titel: Maxime Lebrun 1520687 unsplash.com
Graphik: kyona GmbH

Veränderung ist die einzige Konstante

Veränderung ist die einzige Konstante

Um den Anforderungen der Agilität gerecht zu werden, müssen Unternehmen ihr Kommunikationsprinzip radikal ändern.

Vor 2500 Jahren erkannte der griechische Philosoph Heraklit, dass der Wandel wohl die einzige Konstante sei. Mit Sicherheit fühlte er sich geehrt, wenn er erfahren würde, dass wir ihn heute noch zitieren. Er wäre aber sicherlich ebenso schockiert, wenn er den tagtäglichen Wandel-Wahnsinn in unserem 21. Jahrhundert erleben müsste. Wir sind mittlerweile daran gewöhnt. Aber sind wir es wirklich?

Fortschritte aus vier industriellen Revolutionen in Wissenschaft, Ingenieurwesen, Technologie, Robotik, KI führen zu technischen Neuerungen, Produkten mit mehr Nutzen, Komfort, Features. Wir alle können dies an der Entwicklung unserer Smartphones erkennen. Jedes einzelne hat heute mehr Rechenleistung, als der NASA für ihre ersten Mondflüge insgesamt zur Verfügung standen. Wenige von uns haben eine genaue Vorstellung, was alles an reibungslosem Zusammenspiel der Technik dahintersteckt, wenn wir ein Selfie machen und es per Klick über einen Server in Amerika auf zig andere Smartphones verbreiten. Und das ist ja schon wieder ein alter Hut.

Da wir jedoch als Konsumenten in den vergangenen Jahrzehnten kaum im gleichen Verhältnis intelligenter geworden sind, wie die Produkte, die wir nutzen an Komplexität gewonnen haben, muss immer mehr Intelligenz in unsere Produkte gepackt werden, damit der gewünschte und versprochene Effekt beim Nutzer noch ankommt und nicht durch „überforderte Bediener“ an seiner Entfaltung gehindert wird.

Ich selbst bin da ein gutes Beispiel: Meinen DOS-Computer habe ich früher mit kryptischen Befehlen noch selbst administriert. Bei Windows 10, iOS, Android etc. würde mir Zeit und Geduld ausgehen. Die Intelligenz im Hintergrund der heutigen Produkte wird daher immer aufwändiger.

Denken wir nur an die Autos vor 30 Jahren und unsere heutigen Computer auf Rädern, wie Daimler-Chef Dr. Zetsche auf der letzten IAA anmerkte. Mehr als 70 Computer kommunizieren in einem Auto, und die werden nun im Internet of Things miteinander vernetzt. Alles ist plötzlich miteinander verbunden. Heute muss zusammenspielen, was früher nichts miteinander zu tun hatte.

Auswirkungen auf unsere Unternehmen 

Durch die zunehmende Digitalisierung erscheinen neue Player auf der Wettbewerberliste, die bislang keiner so recht auf dem Zettel hatte. Neue Produkte jagen einander in immer schnellerer Folge. Der Wettbewerb wird immer globaler.

Unsere Organisationen geraten dabei anscheinend immer mehr unter Stress und mit ihnen unsere Mitarbeiter und Kollegen. Zusammenarbeitsformen, die noch vor wenigen Jahren als Patentrezept für den Aufbau erfolgreicher Unternehmen galten, erzielen plötzlich nicht mehr die gewünschte Leistung.

Heute müssen in der Produktentwicklung Leute aus verschiedenen Unternehmensbereichen eng zusammenarbeiten. Früher reichte es, wenn ihre Chefs miteinander redeten. Dies führt zu Unsicherheit und teilweise auch Zukunftsängsten bei unseren Führungskräften:

  • Schätzen wir die Situation richtig ein?
  • Haben wir die richtigen Produkte?
  • Sind wir digital genug? Haben wir für die digitale, vernetzte Zukunft die richtigen Kompetenzen an Board?
  • Sind wir noch attraktiv genug für Mitarbeiter mit dringend benötigten Skills?

Und wenn man sich zu digitalen Innovationen durchgerungen hat, dauert alles viel zu lange. Projekte kommen nicht voran, Meilensteine werden gerissen, die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen und Bereichen funktioniert nicht so wie es sein müsste.

Letztlich sind es seit jeher Menschen, die den technischen Fortschritt gestalten und treiben und immer kommt es auf das Zusammenspiel, die Zusammenarbeit von Menschen an. Daran ändert auch KI nichts. Mit zunehmender Komplexität und geforderter Kreativität müssen immer mehr Hirne zusammengeschaltet werden.

Während Karl Benz sein erstes Auto mit Unterstützung eines Teilzeitschlossers gebaut hat, sitzen heute tausende schlauer Köpfe an der Entwicklung eines modernen Autos. Die Komplexität ist immens, das erforderliche Expertenwissen in den unterschiedlichsten Disziplinen konstruktiv zusammenzubringen, wird immer schwieriger. Fast jede Hardware hat heute auch Softwarekomponenten.

Interessanter Weise hat sich die Art und Weise, wie wir in unseren traditionellen, hierarchischen Organisationen zusammenarbeiten, seit der Kaiserzeit nicht signifikant geändert. Wie Könige, Herzöge, Grafen und Bauern in hierarchischer Ordnung haben wir in unseren Unternehmen immer noch Top-Management, diverse Ebenen Mittelmanagement und letztlich die Mitarbeiter, die die eigentliche Arbeit verrichten. Zwar wurden viele inkrementelle Verbesserungen in der Kommunikation eingeführt. Aber grundsätzlich spricht immer noch die obere Ebene mit der jeweils darunter angeordneten Ebene, koordiniert hier jeweils einen Bereich und synchronisiert horizontal. Und immer sprechen Personen miteinander und platzieren Informationen bei der jeweils anderen. Informationen sind nur deutlich mehr und schneller geworden. Statt handgeschriebener Briefe, die vom Grafen in der Bauernschaft verlesen wurden, schreiben wir heute hunderte von eMails.

Prinzipien umdrehen – Innovationskraft skalieren

Anfang des 21. Jahrhunderts haben sich ein paar Software-Entwickler zusammengesetzt, die mit den traditionellen Arbeitsweisen, die wir auch in unseren mittelständischen Unternehmen und Konzernen vorfinden, keine zufriedenstellenden Ergebnisse mehr erzielen konnten. Sie haben für eine neue Art der Zusammenarbeit ein paar Arbeitsweisen umpriorisiert und sie in einem Manifest veröffentlicht.

Wir schätzen

  • Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung statt auf  das Befolgen eines Plans

Dies war der Ausgangspunkt, um einige Prinzipien der Zusammenarbeit zu ändern- besser gesagt radikal umzudrehen. Dieses Umdrehen von eingefahrenen, an ihre Leistungsgrenze geratenen Prinzipien läuft heute als Welle der Agilität oder New Work durch unsere Arbeitswelt.

So werden zum Beispiel. – sicherlich bereits bekannt -, einige klassische Organisationsprinzipien umgedreht.

Statt in Abteilungen mit klar abgegrenzten Aufgabenstellungen wird in interdisziplinären, kleinen Teams gearbeitet. Statt für den Projektablauf durch einige, wenige Experten einen detaillierten Plan zu erstellen und diesen dann abarbeiten zu lassen, um am Ende des Projektes zu liefern, wird im ganzen Team in kleinen Iterationen geplant und inkrementel also laufend schrittweise geliefert. Statt zu Beginn in einer relativ kurzen Konzept- und Designphase von wenigen Personen Innovation in die Entwicklung bringen zu lassen, wird durch das Einbeziehen des Teams und das iterative Vorgehen die komplette Entwicklungszeit zum Innovationszeitraum und das gesamte Team zum Innovator.

Diese Umorganisation bringt schon erhebliche Produktivitätsvorteile. Vor allem, wenn sie von einem konstruktiven Umgang miteinander als Unternehmenskultur begleitet wird. Diverse Methoden wie SCRUM, Kanban, SAFe, LeSS bauen auf diesen Prinzipien auf.

Game Changer – Das Prinzip der Kommunikation umdrehen

Aber das wohl wichtigste und am radikalsten umzudrehende Prinzip für das Skalieren von Agilität betrifft die Kommunikation in der Organisation. Die Wichtigkeit haben, so glaube ich, wenige bisher wirklich verstanden. Diese Behauptung ist sicherlich frech, aber die Umkehr dieses Prinzips unter Nutzung der technischen Möglichkeiten zur Vernetzung ist es, womit die Digitale Welt unserem Mittelstand in puncto Kreativität, Flexibilität, Geschwindigkeit, der Fähigkeit mit Komplexität umzugehen, das Wasser abgräbt. Dies gilt es zu verstehen, um die Weichen für eine digitale Zukunft richtig stellen zu können.

Was ändert sich in skalierter agiler Zusammenarbeit gegenüber der klassischen Kommunikation mit unseren typischen schwarzen Notizbüchern in endlosen Meetings, Protokollen und E-Mail-Verkehr? Was soll da so anders sein?

Fangen wir vorne an: Wie läuft unsere Kommunikation heute? Heute kommunizieren wir immer zu einer Person. Informationen werden über verschiedenste Kanäle bei konkreten Personen oder ganzen Personengruppen platziert. Denken Sie an die vielen cc-Mails, die sie bekommen.

Wie viele E-Mails erhalten Sie am Tag? Viele von uns bekommen täglich mehrere hundert davon! Mit wichtigen Inhalten zu verschiedensten Themen. Den Stress kennt jeder von uns.

Aber die E-Mail  ist ja nicht die einzige Informationsquelle. Vielleicht die nervigste. In unseren Unternehmen werden über ganz verschiedene Kanäle Informationen verteilt: Allen voran in Meetings, Chat-Programmen, Protokollen, Datenablagen in SharePoints, Social Media Programmen usw..

Die adressierte Person – also jeder im Loop –  muss nun alle einzelnen Informationen eines Themas aus verschiedenen Quellen zusammensetzen, sich ein Bild von eben diesem Thema zusammenbauen, um dann für sich die nächsten Schritte für seine Arbeit festlegen zu können.

Was ist in der agilen Arbeitswelt anders?

Agile Zusammenarbeit geht mit Karten. Diese Karten werden an Boards in verschiedene Spalten gehängt. Auf diesen Karten steht die Arbeit, die zu leisten ist und zwar in Form einer Aufgabe oder eben eines Themas. Das Team kommt regelmäßig zusammen und spricht über jede Karte in Arbeit. Wir sprechen über das Thema der Karte und notieren die gemeinsam abgestimmten nächsten Schritte. Auch zwischen den Meetings erarbeitete Ergebnisse werden wieder in die Karte geschrieben. So entsteht zu jedem Thema ein Lösungsweg auf der Karte, an dem schrittweise weitergearbeitet wird, bis die Aufgabe erledigt ist.

Themen- statt personenbezogener Kommunikation ist der radikale Paradigmenwechsel in der skalierten agilen Zusammenarbeit. Wenn wir nun die gesamte Arbeit der Teams auf Karten am Board haben, können wir jeder Karte einen Treiber und ein Team zuordnen. Sortiere ich nun alle Karten nach meinem Namen, erhalte ich meinen ganz persönlichen Arbeitskontext und, ebenso wichtig, meinen gesamten Content mit allen Lösungswegen!

Komme ich mit einer Aufgabe nicht weiter, packe ich die Karte auf die Agenda eines Synchronisations- oder Koordinationsteam Meetings. Die Ergebnisse der Abstimmung werden wieder in der Karte notiert. Ich kann sofort weiterarbeiten.

Heute beschäftigen wir Heerscharen von (Mittel)-Managern, die neben wirklich wichtigen Aufgaben wie zum Beispiel dem Aufbau von Mitarbeitern, Know-how-Sicherung, Standards setzen etc. vor allem für einen möglichst reibungslosen Fluss von Informationen zu sorgen haben. Hier finden meiner Meinung nach  die Unmengen der als unproduktiv empfundenen Meetings ihren Ursprung. Ergebnisse von Abstimmungen in Meetings landen in schwarzen Notizbüchern und werden dann persönlich übermittelt oder schlimmer noch: Sie verschwinden in Protokollen, die dann über kaskadierende Meetings nach unten durchgereicht werden sollen. Kennen sie aus Kindertagen noch das Spiel „Stille Post“?  Damals war das lustig.

Mit dem radikalen Umdrehen des Kommunikationsprinzips auf themen- statt personenbezogen arbeitet die ganze Organisation schlagartig an Lösungen, statt nach Informationen zu suchen.

Wird zur Umsetzung dieses Prinzips statt auf physische Boards an Bürowänden mit Karten aus Karton konsequent auf die digitale Variante einer Kollaborationsplattform wie zum Beispiel Jira, RTC oder Asana gesetzt und in Verbindung mit den weiteren, oben bereits erwähnten agilen Arbeitsprinzipien der interdisziplinären Teamarbeit, regelmäßiger Synchronisations-Meetings  gearbeitet, hat jeder Beteiligte die Informationen zur Verfügung, die er für seine Arbeit benötigt.  Keiner muss mehr die schwarzen Notizbücher befüllen oder Protokolle von Meetings ausarbeiten und per E-Mail verschicken. Alles Wichtige steht in der Karte bei der Aufgabe.

Manager können sich dann wieder voll auf das strategische und methodische Befähigen der Mitarbeiter konzentrieren oder aber wieder beherzt mit anpacken und die Arbeit auf den Karten erledigen. Der Effizienzgewinn ist enorm!

Scaling digital Innovation – worauf es wirklich ankommt

Digitale Transformation in der Arbeitswelt ist die konsequente Anwendung radikal umgedrehter Arbeitsprinzipien. Dies gilt vor allem im Innovation-Management. Dort wo komplexe Produkte mit viel Hirnschmalz von vielen Beteiligten entstehen, müssen wir drastisch umdenken und uns an neuen Prinzipien zur Organisation unserer Zusammenarbeit ausrichten. Hier ist die Wirkung am größten!

Das Entscheidende ist das Verständnis der Prinzipien agiler Zusammenarbeit und Hintergrundwissen bezüglich deren Umsetzung in Strukturen. Agile Strukturen sind die konsequente Weiterentwicklung unser aktuellen Strukturen der Zusammenarbeit, in der jeder im Unternehmen seine neue, herausfordernde Rolle findet, um mit mehr Transparenz und Zusammenhangswissen einen wertvolleren Beitrag liefern zu können als in unseren aktuellen klassischen Aufstellungen.

Vor allem das Mittelmanagement spielt hier eine entscheidende Rolle im Veränderungsprozess. Agile Organisationen sind genauso auf gute Manager angewiesen wie unsere aktuellen hierarchischen Unternehmen. Ihre Rolle wird in der Transformation konsequent in Richtung Befähigung weiterentwickelt. In einer agilen Organisation zu wirken, statt mit Schulterklappen direktiv Ansagen zu machen, ist erfahrungsgemäß anspruchsvoller,  aber auch befriedigender. Dies bestätigt sich in unseren agilen Transformationsprojekten immer wieder.

Die Prinzipen der aktuellen Zusammenarbeit in Frage zu stellen und einige davon radikal umzudrehen, ist der Schlüssel, um die zunehmend digitalisierte Welt nicht als Bedrohung zu empfinden , sondern als willkommene Abwechslung in der agilen Organisation.

…und Sie können morgen schon anfangen! Reduzieren Sie ihr Mailaufkommen, kommunizieren Sie in Ihren Teams themenbezogen. Das ist ein Anfang mit dramatischer Wirkung…

Zum Autor:

Rainer Borg hat sich nach 10 Jahren Beratungs- und Aufbauarbeit in einer großen Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung sowie als Vorstand eines Startup ganz dem Thema Scaled Agile Collaboration in der Organisations- und Produktentwicklung verschrieben.

Mit fundierter Kompetenz bzgl. Scaled Agile Enterprise Architekturen dimensioniert er Agilität vom einzelnen Team bis hin zur gesamten Unternehmensgruppe.

Seine Passion ist, Unternehmen in ihrem Wandel zu begleiten, Strukturen zu initiieren, die es zum einen dem Management ermöglichen, Komplexität von Veränderungsinitiativen zu beherrschen und zu steuern, zum anderen den Mitarbeitern ermöglichen, sich einzubringen und das Unternehmen aktiv mitzugestalten. 

Lese-Empfehlung: Agile Prinzipien sind zum Scheitern verurteilt von Günther Wagner

Wieder ein sehr interessanter und schön geschriebener Artikel von Günther Wagner, veröffentlicht am 28. Februar 2019 auf LinkedIn.

https://www.linkedin.com/pulse/agile-prinzipien-sind-zum-scheitern-verurteilt-g%C3%BCnther-wagner/

Respekt und herzlichen Dank dafür.

Die Resonanz auf den Artikel von Günther Wagner belegt, dass ein echter Knackpunkt der Skalierung von Agilität angesprochen wird, für den meines Wissens auch die gängigen Methoden für scaled agile wie SAFe, LeSS oder Squatification keine wirklich brauchbaren Lösungen bieten.

Der Autor lässt mit provokanter Analyse und Verständnis für die Situation des Mittelmanagements viel Raum, über eine Lösung zu dieser Herausforderung nachzudenken.

An das hierarchisch aufgestellt Management zu appellieren, und Change Management zu betreiben, ist ein wichtiger Beitrag zur agilen Transformation – keine Frage. Aber ist dieses Problem wirklich auf nur der Mindset- und Organisationsebene zu lösen?

Ich habe nicht alle Reaktionen zum Artikel gelesen. Was ich gesehen habe, bietet viel Zustimmung zum beschriebenen Problem aber meines Erachtens recht wenig konkretes zu Lösungsansätzen des eigentlichen Kernproblems, der Quelle der Macht in hierarchischen Strukturen.

Mittelmanagement als Agile-Killer – 
ist der Knackpunkt skalierter Agilität auf der Mindset- & Organisationsebene zu lösen?

Wir haben in diversen agilen Transformationen ähnliche Erfahrungen gemacht. Mittelmanagement ist der Agile-Killer!

Einzelne Teams oder auch kleine Programme zu Agilisieren ist keine wirkliche Kunst mehr. Die Herausforderung ist das Skalieren von Agilität in die Organisation. Wer agile Teams einfach in hierarchische Strukturen einbindet, trifft zwangsläufig auf dieses massive Problem.

Für meine Kollegen und mich stellte sich in diesem Zusammenhang nicht nur die hier im Vordergrund stehende Frage, ob das Mittelmanagement die Macht hat, Agilität auszuhebeln sondern vor allem warum es diese Macht hat.

Über die Antwort zu dieser Frage haben wir funktionierende Lösungsansätze für das Weiterentwickeln der hierarchischen Linienstrukturen in den sogenannten Agile Backbone entwickelt.
Dieser Schritt zum Aufbau skalierter Agilität ermöglicht es dem ehemaligen Linienmanagement, sich auf die befähigende Rolle zur Unterstützung der leistenden agilen Teamstruktur zu fokussieren, statt sich auf Macht-und Statuserhalt zu konzentrieren.

Für ehemalige hierarchische Mittelmanager werden hierbei drei konkrete Fortsetzungen ihrer Karrierepfade aus der Linie in die agile Organisation angeboten und mit entsprechendem Training und Coaching umgesetzt. Der Umbau der Ziel- & Incentivestrukturen gehört hier ebenfalls in den Scope dieser Agilisierungsphase.

Der erste und wichtigere Schritt ist jedoch, die agilen Teams zu befähigen, die Quelle der Macht des Mittelmanagements zu übernehmen und – den Willen des Topmanagements für Agilität und Rückhalt für die Teams vorausgesetzt – das Mittelmanagement in die geforderte Rolle der strategischen und methodischen Befähiger zu bewegen.

Die „Quelle der Macht“ ist unserer Erfahrung nach der Know-how-Vorsprung, der sich aus der intransparenten Informationslage hierarchischer Organisationen und damit aus der Vermittlerrolle der Mittelmanager ergibt. Abteilungen sind ohne Mittelmanagement, das Informationen hin und her schaufelt, nicht leistungs-, nicht überlebensfähig. Die Synchronisation von Leistungsträgern, das Problemelösen, damit überhaupt etwas vorangeht, sorgt für den Wissensvorsprung, auf dem die Machtstrukturen aufbauen.
Wissen ist Macht! Dies Verhalten kann und sollte man, wie Günther Wagner beschreibt, niemandem verübeln. Auch hier stimme ich voll zu.

Sich in einer hierarchischen Organisation als Mittelmanager in dieser Weise ins Zeug zu legen ist ja gewollt und gefordert! In einer agilen Organisation wird dies jedoch zum Bremsschuh.

Agile Prinzipien bieten aber auch hier Lösungsansätze. Jedoch nur, wenn sie konsequent zu Ende gedacht werden.

Um Agilität zu skalieren müssen andere agile Prinzipien in den Vordergrund gestellt werden als beim Aufbau agiler Teams. Das wichtigste Prinzip zum Skalieren von Agilität ist, konsequent von personen- auf themenbezogene Kommunikation umzuschalten und von den Möglichkeiten der Digitalisierung & Vernetzung in Form von Kollaborationsplattformen wie Jira, RTC, Asana etc. intensiv Gebrauch zu machen.

Dies erst ermöglicht Vernetzung in der Organisation ohne hierarchische Infobroker. Auf dieser Ebene werden die Knackpunkte skalierter agiler Organisationen gelöst. – selbstverständlich begleitet von allen angesprochenen Maßnahmen auf der Kultur- und Organisationsebene der Transformation.

In meinem Artikel SAFe schafft hierarchische Strukturen habe ich diesen maßgeblichen Knackpunkt agiler Organisationen ausführlich behandelt.

Wir sind überzeugt, hier einen konkreten Lösungsansatz bieten zu können:
https://www.linkedin.com/pulse/safe-schafft-hierarchische-strukturen-ist-dran-diesem-rainer-borg/

Agilität muss von oben gewollt und von unten organisiert werden. Dann klappt es auch mit dem Mittelmanagement.

Rainer Borg
Agiler Komplexitätsentwirrer

Zum Autor dieser Empfehlung:

Rainer Borg hat sich nach 10 Jahren Beratungs- und Aufbauarbeit in einer großen Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung sowie als Vorstand eines Startup ganz dem Thema Scaled Agile Collaboration in der Organisations- und Produktentwicklung verschrieben.

Mit fundierter Kompetenz bzgl. Scaled Agile Enterprise Architekturen dimensioniert er Agilität vom einzelnen Team bis hin zur gesamten Unternehmensgruppe.

Seine Passion ist, Unternehmen in ihrem Wandel zu begleiten, Strukturen zu initiieren, die es zum einen dem Management ermöglichen, Komplexität von Veränderungsinitiativen zu beherrschen und zu steuern, zum anderen den Mitarbeitern ermöglichen, sich einzubringen und das Unternehmen aktiv mitzugestalten. 

Konjunktive feiern Hochkonjunktur

Interessante Vorträge gab es beim Digital FutureCongress in Frankfurt. Doch viele Aussteller scheinen nicht zu verstehen, welche Umwälzungen anstehen.

In der vergangenen Woche fand der 7. Digital FutureCongress im Congress Center der Messe Frankfurt statt. Zuerst einmal Respekt und ein dickes Lob dafür, was Michael Mattis mit einem kleinen Team von der AMC Media Network wieder auf die Beine gestellt hat! Fünf Bühnen, interessante Keynotes und auf zwei Ebenen Aussteller, die sich des Themas Digital Future angenommen haben oder sich zumindest irgendwie zuständig fühlten.
Organisation und Rahmen für die Veranstaltung haben gepasst und waren meiner Meinung nach der Wichtigkeit des Themas würdig.

140 Aussteller und 50 Speaker sind angetreten, die laut Veranstalter rund 3500 Kongressbesucher für das Thema Digitalisierung und Agilisierung zu sensibilisieren sowie in Gesprächen gemeinsam Möglichkeiten der Unterstützung zu sondieren.
Die Interessenten fanden einen Ort der Begegnung für die gegenseitige geistige Befruchtung vor.

Namhafte Keynote-Speaker wie Dr. Markus Pfuhl, Chief Digital Officer der Viessmann Gruppe, Manfred Rieck, VP DB Systel oder Dr. Roland Krieg, CIO der Fraport AG, erläuterten den Zuhörern den aktuellen Stand der digitalen Transformation in ihren Unternehmen. Für mich von besonderem Interesse war der Beitrag von Dr. Pfuhl. Hatte er doch schon auf dem 5. Kongress vor zwei Jahren die Digitalisierungsstrategie von Viessmann vorgestellt und nun ein Update zur Digitalisierung angekündigt. Smart und eloquent trug er die Agilisierungs-Roadmap bestehend aus Awareness, Enablement, Execution und Institutionalisierung samt Erfolgen und Fallstricken vor.
Auch weitere Redner machten deutlich, dass sich das ein oder andere Unternehmen bereits auf den Weg in die digitale Zukunft gemacht hat.

Mit einigen Mitgliedern unserer kyonauten Community (agile Kollaboration von KMU‘s und freiberuflichen Agilisten rund um die kyona Unternehmensgruppe) dürfen wir die Produktentwicklungen eines Teils der vorgestellten digitalen Transformationen in der Umsetzung unterstützen. Nicht alles funktioniert auf Anhieb, Widerstände besonders im Mittelmanagement erzeugen Reibungsverluste, aber es geht voran. Auch wenn der Weg zur agilen Organisation sicherlich noch ein weiter ist.

Was mich allerdings enttäuscht, ja geradezu frustriert hat, war die Versammlung der ausstellenden „Treiber der Digitalisierung“, die auf zwei Ebenen ihre Stände aufgebaut hatten. Der Eindruck, der bei mir hängen blieb: Dieselben Unternehmen, dieselben Stände, ja sogar dieselben Gesichter wie vor fünf oder zehn Jahren (länger als der Kongress besteht). Nur jetzt steht vor jedem Slogan „Digital“:
Digital ERP, Digitales Dokumenten Management, Digitales Rechnungswesen. Echt jetzt?

Wir bezeichnen Digitalisierung als dritte industrielle Revolution. Sie bringt seit Ende der 90er Jahre erhebliche Effizienzsteigerungen. Künstliche Intelligenz (KI) ist ein aussichtsreicher Teilbereich, der durch die nun bereits rollende vierte industrielle Revolution, der Vernetzung, richtig zur Geltung kommen wird. Vernetzung boostet die Digitalisierung brutal. Sie ermöglicht Plattformbusiness. Plattformen sind es, die durch dramatische Effizienzsteigerungen umwälzenden Charakter haben und in Deutschland und Europa einer Branche nach der anderen das Wasser abgraben.
Wir kennen sie alle: Amazon, Ebay, booking.com, Uber.
Von den 20 umsatzstärksten digitalen Handelsplattformen sind zwölf in amerikanischer, acht in chinesischer Hand. Keine europäische, geschweige denn eine deutsche Plattform darunter. Und wir präsentieren uns dem digitalisierungsgeneigten Publikum auf diese Weise?
Was bei uns Branche für Branche geschehen wird, ist nicht nur am Hotelbusiness bereits perfekt nachzuvollziehen:

Vor fünf bis sieben Jahren wurden Hotelbuchungsplattformen envogue. Unsere Hoteliers präsentierten ihre Häuser auf den Plattformen, um Zusatzauslastung zu generieren. booking.com war (und ist) der Platzhirsch. Die Marge, rund fünf Prozent wanderte in die USA.
Heute recherchiert (fast) jeder Unterkunftssuchende über eine Buchungsplattform. Wer ruft denn noch beim Fremdenverkehrsamt an oder geht in ein Reisebüro, wenn er ein Zimmer in einem Ort sucht, an dem er zuvor noch nicht war?
Kein Hotelier kann es sich mehr leisten, auf  Plattformen zu verzichten. Volle Angebotstransparenz mit Verfügbarkeiten, Preisen und Bildern führen bei unseren mittelständischen Hotel-Unternehmen zu einem erheblichen Renovierungs- und Preisdruck. Die Margen für die Hoteliers sinken, die der Plattformen steigen – und erhöhen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA.
Der Hotelier wird zum Commodityanbieter, der seine Ware bzw. Dienstleistung unter eine amerikanische Plattform hängen muss und die Marge in die USA oder nach China abführt.
Das ist die Zukunft unseres deutschen Mittelstandes!
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium hat kürzlich eine Prognose veröffentlicht, die für die USA eine knappe Versechsfachung des Bruttoinlandsproduktes bis 2030 ausweist. Uns Deutschen trauen die Amerikaner hier nicht einmal eine Verdopplung zu! (rund 70 Prozent Steigerung)
Damit wird Deutschland in der Liste führender Industrienationen Jahr für Jahr nach unten durchgereicht.
Dreimal dürfen Sie raten, warum!

Die Landwirtschaft zum Beispiel  ist ein Treiber der Digitalisierung über Plattformen. Die aussichtsreichste Agrarplattform ist wohl die von John Deere, natürlich in amerikanischer Hand. Ein aussichtsreicher Verfolger war die Plattform von Bayer. Die amerikanische Kartellbehörde machte für die Genehmigung der Fusion mit Monsanto zur Auflage, dass Bayer sich von der Digital-Plattform trennen muss. Merken Sie was? Jeder Kauf bei Amazon weltweit, jede Taxifahrt mit Uber weltweit, jede Nutzung des Streamingdienstes Apple Music weltweit erhöht den Wohlstand in den USA.

Und hier bei uns? Wenn die Unternehmen, die auf diesem Digital FutureCongress ausgestellt haben, die digitale Zukunft Deutschlands darstellen, sehe ich ehrlich gesagt schwarz für unsere Wirtschaft.
Verstehen Sie mich bitte richtig, nichts gegen die anwesenden Aussteller im Speziellen. Ich möchte niemandem persönlich zu nahe treten. Mir geht es um Prinzipielles.
Wenn meine Kollegen und ich die Aussteller auf diese Herausforderungen angesprochen haben, bekamen wir zwar viel Zustimmung. Jedoch immer verbunden mit den Ergänzungen „man müsste“, „man könnte“. Konjunktive hatten Hochkonjunktur. Es gab wenig Konkretes.

In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des hessischen Wirtschaftsministeriums (u.a. zuständig für die Verteilung von Fördergeldern für die Digitalisierung Hessens), habe ich meine Enttäuschung nicht zurückhalten können. Er stimmte meiner Einschätzung zu, wirkte aber etwas resigniert und hatte letztlich auch keinen Lösungsansatz. Er erzählte von einer aktuellen Förderung des Landes Hessen, die 10.000.-Euro-weise an KMUs für Digitalisierungsprojekte ausgegeben wird. Die Nachfrage nach dieser Förderung sei so groß gewesen, dass sie erst einmal wieder ausgesetzt werden musste, um die Flut der eingegangenen Anträge bearbeiten zu können. Die als Antragsgrund überwiegend angegebene geplante Initiative: Von papiergestützter Abwicklung auf Computerprogramm-gestützte Abläufe umstellen.

Der Tsunami, der mit Digitalisierung und Vernetzung auf Europa, auf Deutschland zuläuft, wird anscheinend von den wenigsten verstanden und ist deshalb nicht im Bewusstsein der Betroffenen.

Ich bin der Meinung, wir brauchen hier mehr als Marketingpräsentationen großer Unternehmen, die sich den Hochglanzfolien entsprechend bereits auf den Weg zur agilen Organisation gemacht haben.
Wir brauchen vor allem drastische Weckrufe, die den Zuhören jenseits der „alles wird komplexer, neue-Player-im-Markt etc.-Warnungen“ anhand von konkreten Beispielen aufzeigen, was in unseren Märkten und Unternehmen bald abgehen wird, was es für den Einzelnen bedeutet und was wir jetzt tun können, um mit unserem Potenzial hier nicht nur als Commodity-Lieferanten für Übersee-Plattformen mitspielen zu dürfen.

Wir brauchen für Konferenzbesucher wie für die Mitarbeiter unserer Unternehmen verständliche Informationen, warum eine agile Aufstellung unserer Unternehmen so wichtig ist, warum sie das auf die Zukunft vorbereitet. Wir müssen greifbare Lösungsansätze vermitteln, wie jeder mithelfen kann, seine Organisation in Richtung digitaler Zukunft zu bewegen. Vor allem müssen wir herausstellen, dass wir aufholen und mitspielen können, wenn wir uns jetzt darum kümmern. Sorge vor der digitalen, vernetzten Zukunft brauchen sich nur die zu machen, die nichts tun und abwarten.

Gerne empfehle ich mich in diesem Zusammenhang als „Rufer in der Wüste“:
https://kyona.eu/kyona-agile-keynote/

 

Zum Autor:

Rainer Borg hat sich nach 10 Jahren Beratungs- und Aufbauarbeit in einer großen Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung sowie als Vorstand eines Startup ganz dem Thema Scaled Agile Collaboration in der Organisations- und Produktentwicklung verschrieben.

Mit fundierter Kompetenz bzgl. Scaled Agile Enterprise Architekturen dimensioniert er Agilität vom einzelnen Team bis hin zur gesamten Unternehmensgruppe.

Seine Passion ist, Unternehmen in ihrem Wandel zu begleiten, Strukturen zu initiieren, die es zum einen dem Management ermöglichen, Komplexität von Veränderungsinitiativen zu beherrschen und zu steuern, zum anderen den Mitarbeitern ermöglichen, sich einzubringen und das Unternehmen aktiv mitzugestalten. 

SAFe schafft hierarchische Strukturen – was ist dran an diesem Vorwurf?

SAFe schafft hierarchische Strukturen – was ist dran an diesem Vorwurf?

Agile Teamarbeit mit Scrum oder KanBan hat seine effizienzsteigernde Wirkung längst bewiesen. Aber wie verhält es sich, wenn viele Teams zusammen eine komplexe Aufgabenstellung wie Entwickeln digitaler Produkte bewerkstelligen müssen? Kommen agile Arbeitsumfelder dann tatsächlich auch ohne hierarchische Strukturen aus? Bekannte Rahmen für Agilität im großen Stil sind z.B. LeSS oder SAFe. Kritiker merken an, dass SAFe und LeSS gerade hierarchische Strukturen wieder fördern. Man erreiche damit eher das Gegenteil von Agilität.
Wie funktioniert agile Zusammenarbeit und was ist dran an diesem Vorwurf? 

Agile Arbeitsweisen werden auch in unserem Land zunehmend als mögliche Antwort auf die drängenden Fragen des Umgangs mit der zunehmenden Volatilität, Unsicherheit und Komplexität unseres wirtschaftlichen Umfeldes gesehen. Unsere Unternehmen sollen agiler werden, um schneller und flexibler auf verändernde Marktsituationen, den Chancen und auch Risiken der Digitalisierung reagieren zu können.
Eine neue Qualität der Zusammenarbeit, in der sich jeder Mitarbeiter zum Mitdenker entwickelt und seine Fähigkeiten voll einbringen kann, soll den Unterschied zu unseren heutigen, eher hierarchischen, starren, von wenigen heldenhaft steuernden Managern getriebenen Organisationen machen.

Mittlerweile sind über 70 agile Methodenansätze im Markt, die ihre Anhängerschaft haben und ihren Zertifizierungsorgien frönen.
Folgt man den Gurus der agilen Szene, machen 3 Handlungsmaximen den Unterschied1) zwischen agilen und klassisch hierarchischen Organisationen aus:

1. Man arbeite in kleinen, hierarchiefreien, autonomen Teams

Ziel ist eine möglichst hohe Interaktion innerhalb interdisziplinär aufgestellten Teams. Hier wird gemeinsam konkret an Lösungen gearbeitet. Agile Methoden bieten hierzu einen einfachen Ansatz: Alles was im Team zu tun ist, wird als Aufgabe auf Karten geschrieben. Diese Karten werden an ein KanBan-Board mit verschiedenen Spalten gehängt. Die Spalten sorgen für eine Sortierung der Karten nach Bearbeitungsstatus. Jeder Beitrag zu einem Thema wird der entsprechenden Karte auf dem Board zugeordnet. Das Team kommt regelmäßig zu kurzen Meetings zusammen und tauscht sich konkret zu den Themen der in Arbeit befindlichen Karten aus.
Wird der jeweils nächste Arbeitsschritt auf der Karte notiert, entsteht ein Lösungsweg zur Aufgabenstellung. An diesem Lösungsweg wird in kleinen, iterativen Schritten konsequent gearbeitet.
Kollaborationsplattformen wie zum Beispiel Atlassian Jira boosten diesen Effekt, da die Zusammenarbeit im Team digitalisiert wird. Alle relevanten Informationen zum Lösen einer Aufgabe sowie alle erzeugten Ergebnisse während des Lösungsprozesses werden an einer Stelle, der virtuellen Karte zusammengeführt.
Das Prinzip der Kommunikation wird hierbei quasi umgedreht. Anstatt wie traditionell üblich Informationen z.B. in kleine schwarze Notizücher zu schreiben oder in Protokolle und dann per eMail anderen Personen zuzuschicken, landet alles direkt beim Thema auf der Karte. Und bums arbeiten alle direkt an Lösungen anstatt Informationen aus diversen Quellen zusammensuchen zu müssen.

Als Nebeneffekt ist ebenso erwähnenswert, dass die Karten mit konkreter Arbeit bestimmten Personen zugeordnet werden. Jeder Beteiligte erhält dadurch per Mausklick eine Übersicht aller für ihn relevanten Aufgaben inklusive aller für den Arbeitskontext relevanten Informationen im Lösungsweg. Diese Transparenz im persönlichen Arbeitskontext und -kontent ist ein weiteres offenes Geheimnis der Effizienz agiler Zusammenarbeit.

Regelmäßige Reflexionen aus Lessons Learned führen zudem zu einer kontinuierlichen Entwicklung hin zu Höchstleistungsteams. SCRUM und Kanban sind hierbei Methoden, die ihre Wirksamkeit in der Praxis längst bewiesen haben.

2. Man beziehe den Kunden in die Arbeit dieser Teams direkt mit ein

Dass auch ein Kunde bereits zum Vergabezeitpunkt komplexer Aufträge nicht alles bis ins Detail wissen kann, ist mittlerweile auch in klassisch hierarchischen Organisationen angekommen. Vertragswerkbasiertes, stressbeladenes Claim-Management ist die Folge. Agile Methoden sorgen hier mit direkter Einbindung des Kunden in die Entwicklungsarbeit für einen alternativen Ansatz. Mit kundennutzenorientierten Rollen wie Product Ower und Product Manager sowie der direkten Einbindung der Kundenseite in die Teamarbeit kann sehr früh und kontinuierlich gesteuert werden, um die Kundenbedürnisse letztlich und tatsächlich besser zu treffen.
Die Arbeit in festen Zeitabschnitten mit festgelegten Meetingsabfolgen sorgt für überschaubare Entwicklungszyklen mit messbaren Ergebnissen. Jeder Zeitabschnitt wird grundsätzlich mit dem Schaffen eines gemeinsamen Verständnisses im Team und zum Kundenbedarf (Requirement Workshop und Planning Meetings) begonnen. Die Zusammenarbeit wird mit regelmäßigen kurzen Abstimmungen (Standups) fortgesetzt und mit der Präsentation des Erabeiteten (Review Meeting) sowie einem Rückblick auf die Zusammenarbeit (Retrospektive/Lessons Learned) abgeschlossen.
Diese Vorgehensweise führt letztlich dazu, dass jeder im Team darauf fokussiert, Kundenmehrwert zu liefern: Jeden Tag, in jedem Zyklus der agilen Zusammenarbeit.
In einem gut aufgesetzten agilen Arbeitsumfeld hat jedes der genannten Meetings einen definerten Zweck zu erfüllen, ein klares Ziel, einen klaren Ablauf und eine transparente Agenda. Da durch die Arbeit mit Karten und somit an konkreten Themen in jedem Meeting der Lösungsbezug vorgegeben ist, wird diese Meetingstruktur zu einem Effizienztreiber, der in Meetings klasschischer Strukturen kaum zu erreichen ist.
Auch hier haben sich agile Methoden bereits bewährt.

3. Man aktiviere das Netzwerk innerhalb des Unternehmens

Der maßgebliche Knackpunkt agiler Organisationen wird jedoch sofort deutlich, wenn mehr als ein paar agile Teams an komplexen Aufgabenstellungen zusammenarbeiten müssen. Die optimale Teamgröße ist durch natürliche soziale bzw. kommunikative Fähigkeiten des Menschen begrenzt und liegt bei 5 bis 8 Mitgliedern. Agile Teams sollten daher keinesfalls größer als 10 Personen sein. Komplexe Aufgaben lassen sich somit nicht in einem einzelnen Team bewältigen. Wie erfolgt die Abstimmung zwischen verschiedenen Teams und wer oder was sorgt dafür, dass autonom entwickelnde Teams nicht geschwürartige Wucherungen an gemeinsamen Strukturen wie Architekturen, Sicherheits- und Safety-Features bewirken?
Das Einbinden vieler agiler Teams in hierarchische Strukturen ist sicherlich kontraproduktiv, bzw. maximal als Zwischenstadium der Organisationsentwicklung zu sehen, da die Autonomie der Teams zu stark eingeschränkt wird.
Der Agile Ansatz z. B. in SAFe – Scaled Agile Framework – ist hier, die Synchronisation zwischen Teams sowie mit Backbonefunktionen (QM, etc.) in die Hände von Managementteams zu legen, die nur Befähigungscharakter haben sollen und keine Entscheidungen fällen.
Dies ist jedoch ein extrem schmaler Grat. Genauso wie in hierarchischen Organisationen, ist es die Aufgabe dieser Rollen, Informationen aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen und zwischen den Beteiligten zu makeln.
Automatisch wird ihr Zusammenhangswissen größer, der entstehende Know how Vorsprung macht sie vor allem in dynamischen Umfeldern wieder schnell zum Engpass und damit zur natürlichen Entscheidungsinstanz in der Organisation.
Auch wird in der Regel die themenfokussierte Arbeitsweise der Teams anhand von Karten am Board ausgehebelt. Man müsste ja an diversen Boards gleichzeitig stehen, um die themenfokussierte Arbeitslogik einzuhalten.
Und flugs werden wieder handschriftliche Notizen gemacht, Protokolle erstellt und eMails verschickt – das Thema auseinandergerissen: Die alten Arbeitsweisen lassen grüßen.

Die Entscheidungen dann im Team zu belassen, ist nicht ganz einfach. Die fehlenden Teile im Lösungsweg sorgen in den Teams für weiteren Transparenzverlust. Schnell verlieren die agilen Teams an Autonomie und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Sie sind wieder auf Manager als Infobroker angewiesen. Dieses Problem potenziert sich schnell, wenn die Zusammenarbeit über mehrere Standorte zu organisieren ist.

Hier liegt m.E. der Hase im Pfeffer. Wissen ist Macht, Info-Monopole des Mittelmanagements aus der Notwendigkeit heraus, Themen in größeren Organisationen über Teamgrenzen treiben zu müssen, führen automatisch wieder in hierarchische Verhaltensmuster, die das Team als Treiber aushebeln. Die neue Rolle der Manager in agilen Strukturen auf „Befähigen“ statt „Entscheiden“ zu fokussieren, ist eine wichtige Aufgabe des agile Coachings. Werte und Kultur müssen vermittelt werden.

Jedoch laufen diese Bestrebungen ins Leere, wenn das Arbeitsumfeld nicht ermöglicht, Transparenz sicherzustellen, sprich alle Informationen zu einem Thema in einem Lösungsweg zu haben.

Die hier in den agilen Kollaborationswerkzeugen angebotene Unterstützung sind hier eher als Krücke anzusehen und nicht wirklich hilfreich. Manuell erstellte Linklisten zu Karten als Meeting-Agenda oder Filter mit speziellem Tags versehenen Themen werden der Bedeutung themenbezogener Kommunikation nicht gerecht.
Letztlich wird die Synchronisation zwischen Teams und Backbonefunktionen eher ein Zufallsprodukt bestehender Netzwerke in den einzelnen am Wertschöpfungsprozess beteiligten Standorte.

Wir standen in unseren agilen Programmen immer wieder vor dieser mehr als unbefriedigenden Situation. Die Tatsache, dass die agilen Prinzipien in der Synchronisation nicht wirklich zum Tragen kamen, hat uns veranlasst, selbst für Abhilfe zu sorgen. Um Alignment Meetings effizient gestalten zu können, muss wie im Standup Meeting gemeinsam direkt an Themen also an Karten gearbeitet werden können. Abstimmergebnisse müssen sofort Bestandteil des Lösungswegen werden. Also muss eine Meetingagenda aus Karten der Boards verschiedener Teams zusammengeschoben oder am besten aus einem Teammeeting mit einem Klick auf die Agenda des nächsten Alignmentmeetings gesetzt werden können. Ein Meetingboard als Ergänzung zum Kanban Board musste her. Vor gut vier Jahren haben wir für unsere agilen Programme dieses Problem mit einem Alignment Meeting Board für Jira selbst gelöst. Ganz nebenbei erstellt sich ein Meetingprotokoll in dieser Umgebung auf Knopfdruck ohne weiteren Aufwand.“ (Dirk Heuschen, kyona GmbH)

Abstimmmeetings zwischen Teams und mit Backbonefunktionen müssen sich zu 100% in die skalierte agile Arbeitsumgebung integrieren. Damit kommt wieder Transparenz in der Aufgabenbearbeitung und Vollständigkeit im Lösungsweg zu allen Themen. Teams bleiben im Fahrersitz am Steuer. Der Informationsvorsprung der Manager hat keine Relevanz für die Entscheidungsfindung in den Teams. Die Teamautonomie bleibt bewahrt.

Manager können sich tatsächlich voll auf das strategische und methodische Befähigen der Teams fokussieren – Umfelder schaffen, in denen die persönliche Entwicklung der Beteiligten optimal gedeiht. Oder einfach wieder mithelfen, die Arbeit auf den Karten zu erledigen. Die drei bis vier Ebenen Mittelmanagment in manchen komplexen klassischen Organisationen bringen auf diiese Art und Weise einen erheblichen Zuwachs an qualifizierten Ressourcen.

Erfahrungsgemäß sehnen sich viele aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz ins Mittelmanagement beförderte Entwickler danach, wieder anpacken zu dürfen.

Als Fazit: Wir können in unseren SAFe-Umfeldern volle Transparenz sicherstellen und alle Abstimmungen zwischen Teams und Backbonefunktionen an den wichtigsten agilen Prinzipien ausrichten ohne „versehentlich“ Hierarchien zu erzeugen. Wir bewahren die volle Teamautonomie bei gleichzeitiger hoher Agilität in der Interaktion mit dem Kunden.

Rainer Borg
Agiler Komplexitätsentwirrer

1) Edward Demings in Forbes Artikel „Explaining Agile“.

2) Alignment Meeting Board für Atlassian Jira https://marketplace.atlassian.com/apps/1217909/alignment-meeting-board?hosting=server&tab=overview

3) Bildquelle federico-beccari-1345741-unsplash.jpg

Zum Autor:

Rainer Borg hat sich nach 10 Jahren Beratungs- und Aufbauarbeit in einer großen Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung sowie als Vorstand eines Startup ganz dem Thema Scaled Agile Collaboration in der Organisations- und Produktentwicklung verschrieben.

Mit fundierter Kompetenz bzgl. Scaled Agile Enterprise Architekturen dimensioniert er Agilität vom einzelnen Team bis hin zur gesamten Unternehmensgruppe.

Seine Passion ist, Unternehmen in ihrem Wandel zu begleiten, Strukturen zu initiieren, die es zum einen dem Management ermöglichen, Komplexität von Veränderungsinitiativen zu beherrschen und zu steuern, zum anderen den Mitarbeitern ermöglichen, sich einzubringen und das Unternehmen aktiv mitzugestalten. 

Jira is an Antipattern? Taugt Jira als Kollaborationsplattform?

Jira is an Antipattern? Taugt Jira als Kollaborationsplattform?

Hin und wieder stoße ich auf Blogbeiträge, in denen dem Tool Jira, eingesetzt in agiler Projektarbeit, implizit die Schuld daran gegeben wird, dass agile Teams mit dem bloßen Abarbeiten von Tickets zu sehr in die Mikromanagementebene abtauchen und dabei das große Bild, die Produktvision aus dem Auge verlieren.

Ein Beispiel hierzu: Jira is an antipattern von Jon Evans:

Source: techcrunch.com Jira is an antipattern von Jon Evans:  https://techcrunch.com/2018/12/09/jira-is-an-antipattern/

Wenn ich diesen Autor richtig verstehe, wird hier dargelegt, dass Jira – im Auslieferungszustand als Ticketsystem eingesetzt – als die Ursache für eine unzureichende Anwendung agiler Prinzipien anzusehen wäre. Mit Jira als Kollaborationsplattform würden agile Teams Anforderungen in Form von EPICS definieren, diese in Stories herunterbrechen, diese wiederum in Subtasks und mit dem Abarbeiten der so entstandenen Jira-Tickets in ein Micro-Management von Aufgaben abtauchen. Der Einsatz von Jira – einem originären Ticketsystem – hätte somit zur Folge, dass agile Teams den Blick für das Gesamtbild, die Product Vision aus den Augen verlören.

Da fällt mir sofort ein: „a fool with a tool is still a fool“. Könnte es unter Umständen sein, dass hier eher an den Fähigkeiten von Agile Coaches zu arbeiten wäre als denn in unzureichend aufgebauten Kollaborationsplattformen die Schuld für Micro-Management in der agilen Zusammenarbeit zu suchen?

Meiner Erfahrung nach gehört für den Aufbau komplexer Software- oder Produktentwicklungsinitiativen deutlich mehr dazu, als nur Epics und Stories zu schreiben und diese dann von Teams abarbeiten zu lassen. Dies ist jedoch kein Toolthema sondern agile Methode und Struktur für skalierte Zusammenarbeit. Eine unzureichende Umsetzung eines agilen Arbeitsumfeldes einem (sinnvollen) Werkzeug wie Jira zuzuschreiben, halte ich für deutlich zu kurz gesprungen!

Der im Artikel angemahnte Zusammenhang zwischen Product Vision, User Stories bzw. Aufgaben zum Erledigen der Stories muss für den Aufbau Agiler Kollaboration zuvor einmal durchdefiniert werden. Dies geschieht mit dem Aufbau einer Infostruktur, die den konkreten Zusammenhang von der Produkt Vision über mehrere Stufen von EPICS bis runter zu Stories und Unteraufgaben sicherstellt. Diese Info-Struktur wird dann in Jira-Vorgängen per Konfiguration umgesetzt. Steht diese Struktur einmal, kann sie mit entsprechenden Inhalten gefüllt werden. Den Teams ermöglicht sie nun zu jedem Zeitpunkt den direkten Bezug eines jeden Themas zum übergeordneten Gesamtbild zu erhalten.

Um eine der Komplexität der Aufgabenstellung angepasste, skallierbare Kollaborationsumgebung für agile Teams aufzubauen, gehört mehr dazu als Standard Jira bereitzustellen.

Im Standard-Auslieferungszustand ist Jira in der Tat als Ticketmangementsystem für agile Teams konfiguriert, mit dem die Methoden Scrum und Kanban für agile Teamarbeit umgesetzt werden können.

Hintergrund dieser Auslieferungsstrategie ist meiner Einschätzung nach, dass die Kollaborationsumgebung so einfach wie möglich gehalten werden soll – unbelastet von nicht genutzter Funktionalität, die das Arbeitsumfeld eher komplex als easy to use machen würde.

Will man jedoch Zusammenarbeit von mehr als einem Team synchronisieren oder gar Programme mit vielen Mitarbeitern agil bearbeiten, muss das einfache Arbeitsumfeld durch Plugins auf genau die Anforderungen hin getuned werden, die benötigt werden und nicht mehr.

Für skalierte Software- oder Produktentwicklungen liegt die Effizienz der Zusammenarbeit in der Synchronisation der Teams einmal inhaltlich – hier wird z.B. mit dem Plugin Jira Portfolio Transparenz in die Releaseplanung gebracht – als auch in der Form der Synchronisation vieler Beteiligter – hier wird z.B. über das Plugin Jira Alignment Meetingboard für effektive Abstimmungen gesorgt.

Bei Portfolio geht es darum, die Abhängigkeiten in der Releaseplanung greifbar und damit diskutierter zu machen. So wird die Verbindung zwischen dem großen visionären Bild und den einzelnen, von diversen Teams zu bearbeitenden Umsetzungsschritten hergestellt.

https://marketplace.atlassian.com/apps/1212136/portfolio-for-jira?hosting=cloud&tab=overview

Beim Meeting Management geht es darum, sicherzustellen, dass auch in Abstimm-Meetings zwischen Teams oder mit Experten immer an Themen also in Jiravorgänge gearbeitet wird und nicht wichtige Abstimmergebnisse in separaten Protokollen oder Notizbüchern Einzelner verschwinden, statt zum Bestandteil des Lösungsweges im Jiravorgang zu werden.

https://marketplace.atlassian.com/apps/1217909/alignment-meeting-board?hosting=server&tab=overview

Ein weiteres sinnvolles Plugin ist meiner Meinung nach Share Plus. 
Dies ist ein in Jira integriertes Chatsystem, bei dem die Chatnachricht auch wieder direkt als Kommentar im Jiravorgang hinterlegt wird, so dass dem Lösungsweg im Jiravorgang kein Baustein verloren geht.

Zudem lässt sich mit diesem Plugin die leider übliche eMailflut aus Jira auf ein Minimum reduzieren. 
Cooles Feature.

https://marketplace.atlassian.com/apps/1217673/shareplus-share-with-extra-features?hosting=server&tab=overview

Mit Plugins wie diesen wird aus dem Jira Ticketsystem eine echte agile Kollaborationsplattform. Die drei Links führen auf dem Atlassian Marketplace. Hier sind diese Plugins und weitere sinnvolle Features für agile Zusammenarbeit im Detail beschrieben.

Die Toolfrage ist beim Aufbau skalierter agiler Arbeitsumfelder jedoch neben den Bereichen agile Mindset, Teamorganisation, agile Prozess und Infostruktur nur eine Ebene, die es zu gestalten gilt.

Wenn Jira als Ergebnis einer sauberen agilen Architektur als Kollaborationsplattform richtig aufgesetzt ist, der Agile Coach also sein Handwerk versteht und seine Arbeit vernünftig macht, sind meiner Meinung nach alle Ausführungen in z.B. oben erwähntem Artikel gegenstandslos.

Agile Arbeitsweise als Chance für das Mittelmanagement?

Agile Arbeitsweise als Chance für das Mittelmanagement?

Niels Pfläging liefert hierzu eine hervorragende Diskussionsgrundlage.

Niels Pfläging, Leadership Philosopher, Management Exorcist und Autor, hat mit „Organisation für Komplexität“ ein kompaktes und aufregendes Buch über Arbeit, Führung und Transformation im Zeitalter der Komplexität geschrieben. Er zeigt damit eindrucksvoll, wie sich herkömmliche, hierarchische Organisationsstrukturen klassischer, mittelständischer Unternehmen und Konzerne von denen in der Netzwelt beheimateten agilen Organisationen unterscheiden. Die Lektüre regt an, neue Strukturen und Führungsprinzipien zu entwickeln, die die Transformation aus der Hierarchie in die Agiliät ermöglichen.

Für kyona ist dies ein Grundsatzwerk. Daher bekommen in unseren Agile Transformation Projekten alle Mitglieder der Coreteams dieses Buch als Basisinformation überreicht.

Niels Pfläging verdeutlicht in „Organisation für Komplexität“, dass in einem immer komplexer werdenden Arbeitsumfeld hierarchische Strukturen nicht mehr funktionieren. Das Problem fokussiert sich beim macht-, prestige- und karriere-orientierten Management, welches sich als eine Art Informationsbroker für die eigentlich produktiven Mitarbeiter positioniert.

In der Agilen Organisationsstruktur hingegen stehen Führungskräfte nicht mehr hierarchisch über ihren Mitarbeitern. Sie sind in deren Teams integriert und leben das Modell des Servant Leadership (dienend Führen).

Aus unserer Erfahrung ist dieses neue Miteinander vor allem für das Mittelmanagement schwer anzunehmen.
Sie sehen es als Bedrohung ihrer Position und nicht als Möglichkeit. Es scheint für sie schwer vorstellbar, wie eine agile Organisation ohne Linien und Abteilungen auskommen soll.

Dies gilt es bei der Umsetzung agiler Organisationen zu berücksichtigen, denn die Widerstände des Mittelmanagements können eine agile Transformation nicht nur verlangsamen, sondern scheitern lassen. Dies wird häufig zum Hauptbremsschuh der Agilen Transformation, große Widerstände des Mittelmanagements bringen aussichtsreiche Initiativen zum Erlahmen, ja zum Scheitern.

Wichtig ist, dem Mittelmanagement zu verdeutlichen, welche unverzichtbare Aufgabe es mit der sogenannten Backbone-Funktion in einem agilen Umfeld leistet. Agile Teams können im größeren Maßstab ohne einen agilen Backbone nicht effizient arbeiten. Das Mittelmanagement bleibt somit ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses, lediglich die Arbeitsweise – Dienstleistung für Teams – ändert sich.

Funktionen des neuen agilen Backbones sind zum Beispiel: Synchronisation zwischen Teams und zentralen Funktionen sicherstellen, die Handlungsfähigkeit der agilen Teams absichern, Wissen und Wissensaufbau managen, durch strategischen Einkauf einen Rahmen für Teams bereitstellen etc.

Für das ehemals hierarchisch strukturierte Mittelmanagement bietet sich als Backbone eine interessante Perspektive, die eine attraktive Herausforderung in der neuen agilen Organisation darstellen kann.

Doch zunächst muss Agile Transformation auf der Topmanagementebene gewollt sein und von dieser eingefordert werden. Sie wird dann umgesetzt durch das Aufsetzen von Scrum- und Kanbanteams auf der Leistungsebene. Damit das Mittelmanagement nicht zum Agile-Killer wird, ist der Aufbau des agilen Backbones frühzeitig mit anzustoßen.

Das Buch von Niels Pfläging liefert hierzu eine hervorragende, verständliche Diskussionsgrundlage, die wir bisher in der SCRUM und SAFe Literatur so nicht finden.

Danke Dir Niels!

Digitalisierung der Zusammenarbeit: Wie vermeiden wir, auf einen Holzweg zu geraten?

Digitalisierung der Zusammenarbeit: Wie vermeiden wir, auf einen Holzweg zu geraten?

Mit zunehmender Digitalisierung unserer Kommunikation nehmen die Möglichkeiten zu, sich untereinander auszutauschen. Alles soll schneller und agiler werden. Neben E-Mail kommen mit Chat, Social Media & Co immer mehr Kanäle für den Informationsaustausch hinzu. Wir erwarten von unserem Gegenüber, Informationen aus verschiedenen Quellen wieder zusammen zu setzen. Einfach geht anders.

Bahnbrechende Effizienzsteigerungen sind in den letzten Jahren durch Digitalisierung entstanden. Das Prinzip: komplette Prozesse auf Plattformen bringen und User vernetzen. Beispiele sind schnell genannt: Amazon, eBay, HRS, AirBnB, car2go usw…

Die Möglichkeiten der Vernetzung über das Internet lässt die Welt zum Dorf werden – angeblich.

Wenn es um die Zusammenarbeit in verteilten Teams geht, z.B. für überregionale Projektarbeit in unseren Unternehmen, schalten wir diese Prinzipien aus und verlassen uns für die Kommunikation auf althergebrachtes wie Telefon, eMails, Projektlaufwerke. Verwunderlich, dass wir nicht auch noch ganz klassisch Briefe schreiben (oder gar Brieftauben einsetzen), um Informationen zu Kollegen zu schaffen, die  gerade mal nicht neben uns sitzen.
Das ist sicherlich übertrieben aber statt den Plattformgedanken der Digitalisierung für unsere überregionale Zusammenarbeit aufzugreifen und Kommunikation zu fokussieren, schalten wir nun mit Social Media, DataShares, MediaWikis, Chatprogrammen noch weitere Kanäle hinzu, über die wir Informationen an noch mehr Stellen verteilen. Von unseren Kollegen verlangen wir dann, alle Informationen im Kopf wieder zu Themen und Aufgaben zusammenzusetzen. Das macht nicht wirklich  Sinn.

Auf der anderen Seite wird nun als neuer Hype versucht, mit agilen Methoden, hier vor allem einer Reinform agiler Projektarbeit – SCRUM , die Kommunikation innerhalb der Teams überall zu verbessern.

Wird mit beiden Ansätzen den Zielen, das Kommunikationsproblem in verteilten Teams in den Griff zu bekommen, nicht eher entgegen gewirkt?

Neue Spielregeln für agile Zusammenarbeit

Im Grunde ist es einfach, den digitalen Plattformgedanken für die Team-Kommunikation konsequent umzusetzen.

Nur wenige Spielregeln der Zusammenarbeit müssen verändert und konsequent angewendet werden, um in jeder Organisation, ob hierarchisch oder nicht, mehr Agilität in die Teamarbeit zu bringen.

Wichtige Prinzipien der agilen standortübergreifenden Zusammenarbeit sind jedoch bislang nicht ausreichend verinnerlicht. Die grundlegenden Werkzeuge hierzu sind in den meisten Unternehmen sogar schon vorhanden, sie werden meistens falsch eingesetzt.
Atlassian Jira, IBM RTC und auch MS SharePoint lassen sich zu effizienten Kollaborations-Plattformen konfigurieren und mit wenigen Ergänzungen zur digitalen Informationsdrehscheibe für komplexe Aufgabenstellungen ausbauen.

Worauf es wirklich ankommt?

Diese vier Prinzipien für agile Kollaboration wirken wie Game Changer für die Effizienz der Teamarbeit:

Jeder Beitrag zu einem Thema, sei es ein Diskussionsbeitrag, ein Protokolleintrag aus einem Meeting, das Ergebnis eines Telefongespräches, ein Dokument, etc. wird Teil des Lösungsweges für diese Themenstellung. Wer am Lösungsweg beteiligt ist, hat alle Informationen an einer Stelle konzentriert und erhält damit immer den Überblick über die Lösungsfindung.

Schritt für Schritt wird so konsequent an Lösungen für Aufgabenstellungen gearbeitet.

Auf eMails und Meeting-Protokolle kann bei dieser Art der Zusammenarbeit verzichtet werden. Die wichtigen Informationen landen beim zugehörigen Thema auf der Infodrehscheibe anstatt in diversen Eingangskörben von eMail-Programmen. Der Aufwand ist letztlich geringer – der Nutzen gewaltig.

Das glauben Sie nicht? Es wird noch besser!

Durch den Effekt, den Themen Betroffene zu zuordnen, lässt sich die persönliche Aufgabenübersicht jedes Beteiligten per Knopfdruck darstellen.

Alle Themen, egal aus wie vielen Projekten, Arbeitskreisen, Teams werden übersichtlich gelistet. Jeder weiß zu jeder Zeit, für was er verantwortlich ist und wo seine Mitarbeit erwartet wird. Alle Informationen sind immer nur wenige Klicks entfernt. Das lästige Suchen in Protokollen, eMails, DataShares und wo auch immer, entfällt.

Wenn nun noch eine Meetingstruktur genutzt wird, die agilen Prinzipien gerecht wird, und jedem Team erlaubt, täglich ihre Aufgaben zu koordinieren und teamübergreifend abzustimmen und das dann auch mit einem integrierten Meeting-Management-Werkzeug über die Plattform abgewickelt wird, ist die Infodrehscheibe perfekt. eMails werden überflüssig, ja sogar hinderlich für den Teamerfolg!

Durch diese konsequente Digitalisierung kann gerade mit den verbesserten Videokonferenzmöglichkeiten auch standortübergreifende Teamarbeit deutlich effizienter werden. Wenn jeder per Desktopsharing die gleichen Informationen direkt auf der Kollaborations-Plattform sieht und sich im Online-Meeting am Lösungsweg aktiv beteiligen kann, ist agile Kollaboration (hocheffiziente Zusammenarbeit) schon voll im Gange, wenn in Villa Bajo noch die Pfannen geschrubbt werden…

Aufnahme Lehrtätigkeit an Hochschulen

Aufnahme Lehrtätigkeit an Hochschulen

Das Befähigen zu selbständiger, agiler Zusammenarbeit in der Unternehmensentwicklung haben wir, die kyona Gruppe, tief in unserer Unternehmensvision verankert. In konsequenter Ableitung haben wir nun zum Sommersemester 2017 eine Lehrtätigkeit an der Fresenius Hochschule im Bereich Wirtschaft und Medien übernommen.

Am Lehrstuhl Sustainalbe Change Management und Leadership von Prof. Dr. Dennis Lotter vermitteln wir im Fach Organisations-Management praxisbezogen das Know how, wie komplexe strategische Veränderungsinitiativen initiiert, mobilisiert und umgesetzt werden.

Der Lehrauftrag umfasst 60 Unterrichtseinheiten in Form von Projektarbeit zu drei Blöcken je 2 Tagen.

Ziel ist, den Studierenden die Möglichkeit zu geben, mit einem konkreten Use Case aus unserer Projektarbeit selbst zu erfahren, wie eine Globalisierungsinitiative mit Werksaufbau in Asien und diversen Produktionsverlagerungen zu planen und umzusetzen ist.

Im ersten Block werden die hierfür erforderlichen Grundlagen wie Verständnis für den Reifegrad von Organisationen in Bezug zur Komplexität ihrer Geschäftsmodelle sowie Grundlagen des Projekt- und Programm-Managements (Prince2®, SCRUM®, MSP®, SAFe®) und Change Managements vermittelt.

Im zweiten Block führen die Studierenden auf Basis des Use Cases einen Awareness-Workshop durch, der es ihnen ermöglicht, trotz der großen Zahl an Teilnehmern, ein gemeinsames Verständnis für den komplexen Auftrag zu erzielen. Im Anschluss konzipieren sie in einem Mobilisierungs-Workshop die einzelnen zur Umsetzung der strategischen Initiative erforderlichen Projekte und fügen sie zu einem Change Programm zusammen.

Im dritten Block wird die standortübergreifende Projektarbeit auf einer Produktivitäts-Plattform für standortübergreifende Zusammenarbeit simuliert. Die erforderlichen Koordinations- und Alignment Meetings werden durchgeführt, um letztlich in einer simulierten Lenkungsausschusssitzung die Projekt-Konzepte und den Status der Projekte abnehmen zu lassen.

An der Hochschule Fresenius wird besonderer Wert auf praxisrelevante Lernerfahrungen gelegt. Dies ist einer der Gründe, warum wir uns seitens kyona entschieden haben, unser Know how zur Umsetzung strategischer Veränderungsinitiativen auf diesem Wege jungen Menschen zur Verfügung zu stellen, die auf dem Sprung in die Wirtschaft stehen.

 

Lean Konferenz am 21. Februar 2017 in der IHK Frankfurt am Main

Lean Konferenz am 21. Februar 2017 in der IHK Frankfurt am Main

Am 21. Februar 2017 fand in Frankfurt am Main in den IHK Räumen in der Frankfurter Börse die 3. Lean-Konferenz statt. Über 300 Lean-Spezialisten aus ganz Deutschland sind zusammengekommen, um zu diskutieren, wie Lean Management und Industrie 4.0 zusammenhängen. kyona war auf dieser Konferenz mit zwei Lean Spezialisten vertreten.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Sie hob die Bedeutung von Industrie 4.0 gerade für den deutschen Mittelstand auf zu erwartende Weise hervor. Ihrem Parteibuch folgend wies sie auf das besondere Streben der Bundesregierung hin, in allen Industrie 4.0 Aktivitäten Arbeitgeber-Vertreter und Gewerkschaften an einen Tisch zu bringen, da ein solches Thema nur gemeinsam gestemmt werden könne. Ist dies aber wirklich der entscheidende Punkt?

Die abschließende Experten-Diskussion wurde durch den bekannten Radiomoderator Gerhardt Augstein mit Witz und spitzer Zunge aber fundierten Fragen an die Experten moderiert. In seiner Einleitung zur Diskussion warnte er die Zuhörer davor, dass es seiner Einschätzung nach in dieser Konferenz wohl nur zwei Personen gebe, die keine Ahnung von Lean und Industrie 4.0 hätten, und bezog diese satirische Bemerkung auf sich und Frau Zypries…

Jedoch spiegelten die einleitenden Worte von Frau Zypries zum Teil durchaus den Tenor der Konferenz wider. Die Ansätze von Industrie 4.0 werden in der Tat nur erfolgreich bewältigt werden können, wenn Mitarbeiter im Unternehmen sich in hierarchiefreien Teams organisieren und sich so gemeinsam voll einbringen können. Auf diese Weise lässt sich die Komplexität von Prozessautomatisierung und IT-Herausforderungen in den Griff bekommen.

Auf den Punkt gebracht wurde dies vom Keynote Speaker Prof. Dr. Ing. Joachim Metternich von der TU Darmstadt. Auf Basis seiner langjährigen Lean Management Erfahrung beim Maschinenbauer Trumpf zeigte er beeindruckend auf, dass Fluss von Material und Informationen nach wie vor ist die beste Möglichkeit ist, Abweichungen festzustellen. Aus diesem Grund geraten sich Lean-Ansätze zur Optimierung von Fertigungsprozessen mit den Ansätzen von Industrie 4.0 ins Gehege, wo Menschen Abweichungen nicht mehr erkennen können.

Die sich ergebende Frage – wie bringen wir beides zusammen – beantwortete er kurz und knapp: „Erst Lean sein, erst eine Kultur aufbauen, dann digitalisieren und vernetzen. Dann funktioniert es“. Seiner Einschätzung nach wird Lean Management das führende System bleiben und Industrie 4.0 als technisch orientierten Lösungsansatz das notwendige Know how verleihen, um zur Wirkung zu kommen. Dafür werden Lean-Teams um zusätzliche Qualifikationen ergänzt, die es heute so noch gar nicht gibt. Offensichtlich ist, dass jedes Lean Team produktionsorientierte IT-Spezialisten und IT-Administratoren braucht, um die Aufgaben der Zukunft stemmen zu können.

Kern der von der IHK Frankfurt hervorragend organisierten Veranstaltung waren 6 verschiedene Diskussionsforen. Namhafte, hochrangige Vertreter aus der Industrie stellten hier ihre Ansätze von Industrie 4.0 vor und diskutierten sie mit dem Auditorium.

Einleitend erläuterten zum Beispiel Herr Stefan Munsch, Geschäftsführer des Pumpenherstellers Munsch Chemiepumpen GmbH und sein Produktionsleiter Herr Martin, wie sie die für die Variantenfertigung hochkomplexe und früher sehr fehleranfällige Grundplatten-Produktion optimierten. Durch Vernetzung brachten sie den vertriebsseitig genutzten Produkt-Konfigurator über das ERP-System und eine CNC-Programmdatenbank mit der CNC Werkzeugmaschine zusammen. So wurde der vormals manuelle Prozess komplett automatisiert. Heute müssen nur noch Grundplatten nachgelegt werden, um fehlerfrei zu produzieren. Bewerkstelligt wurde diese Leistung durch ein Team, das seit langem schon den Leanprinzipien folgend die Prozesse in der Fertigung entwickelt und optimiert.

Die besonderen Herausforderungen von Industrie 4.0 stellte Herr Thomas Grahl von Bosch Rexroth sehr schön heraus, indem er berichtete, wie bei Bosch mit dem Thema Industrie 4.0 umgegangen wird. Aus der industriellen Evolution von Industrie 1.0 – der Mechanisierung der Fabriken heraus zur Industrie 2.0, der Elektrifizierung folgt die aktuell in der Umsetzung befindliche dritte industrielle Revolution, die Digitalisierung. Mit der sich anbahnenden 4. Revolution werden die Produktions-Ressourcen nun vernetzt. Herr Grahl argumentierte ebenfalls, dass es Menschen sind, die diese Entwicklung treiben und die so organisiert sein müssen, dass optimale Geschäftsprozesse zum Nutzen des Kunden entstehen können. Das gemeinsame Verständnis zwischen physischer und virtueller Welt ist seiner Einschätzung nach der kritischer Erfolgsfaktor für Industrie 4.0. Nur wenn der Nutzen stimmt, wird es sich durchsetzen. Grundlegende Wirkung von Industrie 4.0 ist es jedoch, dass das Lean Production System gestärkt wird.

Herr Klaus Stühling von der Continental AG erläuterte sehr anschaulich, wie Conti mit Ausbildung und Training ihrer Mitarbeiter hin zum Lean-Denken Industrie 4.0 in den Werken vorbereitet und fördert. Auch in seinem Vortrag wurde deutlich, dass der Mensch weiterhin im Mittelpunkt steht. Es wird nicht um menschenleere Fabrikhallen gehen sondern um mit Hilfe von Digitalisierung und Vernetzung zunehmend optimierte Geschäftsprozesse. Diese werden zukünftig nicht von einzelnen Mitarbeitern sondern von ebenso vernetzten und weltweit agierenden Teams entwickelt und bewerkstelligt.

Fazit der sehr informativen und wichtigen Veranstaltung: Lean Management bringt Menschen dazu, in teilautonom arbeitenden Teams Geschäftsprozesse gemeinsam nachhaltig zu optimieren und Verschwendung zu minimieren. Industrie 4.0 ist nach der Digitalisierung der Prozesse die folgende Stufe der industriellen Evolution. Ihr Nutzen ist unumstritten. Die entstehende Komplexität kann jedoch nur beherrscht werden, wenn Menschen in unseren Unternehmen ein Umfeld und eine Kultur vorfinden, die es erlaubt, sich mit viel Kreativität voll einbringen zu können.

Dieser Herausforderung, also der Aufbau genau dieser Umfelder, in denen derartige Leistungen durch intern vernetzte, hochgradig agil arbeitende Teams möglich werden, hat sich die kyona mit der agilen Kollaboration verschrieben. Wir sind mit unseren Dienstleistungen somit der Wegbereiter für Industrie 4.0 in deutschen Unternehmen.

Rainer Borg / James Török